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Last Update: 13.09.2006

Die Dojo-Etikette...

... geht auf das "Ogasawara-ryu" im Japan des 13. und 14. Jahrhunderts zurück. Dies waren Verhaltensregeln der Samurai, die ein reibungsloses Miteinander erlauben sollten. So konnten die Samurai z.B. bei Begegnungen auf der Straße links aneinander vorbeigehen, im Palast jedoch mussten sie einander dabei die rechte Seite zuwenden, weil so weniger leicht das Schwert zu ziehen war. Oder sie mussten nach dem Verbeugen (Rei) erst mit dem linken Fuß zurückgehen. Solche Vorschriften haben sich im Budo bis heute erhalten. Der Einfluss des Buddhismus auf die Verhaltensregeln der Samurai dokumentiert sich noch heute im Budo durch einfache Regeln, Unkompliziertheit und das besondere Lehrer-Schüler-Verhältnis, das eine bedingungslose Unterordnung des Schülers unter dem Meister (Sensei) verlangt.

 

Dojo ist die japanische Bezeichnung für den Übungsraum. In Japan haben Dojos eine besondere Atmosphäre, weil sie nur aus natürlichen Materialien, z.B. Holz bestehen und mit zahlreichen Symbolen geschmückt sind. An der Stirnseite (Shomen) hängt meistens das Emblem des jeweiligen Dojos bzw. Stilrichtung und ein Bild seines Gründers. Diese Symbole erfahren eine bewisse Verehrung.

 

Die Dojo-Etikette lässt sich unter den Aspekten des "Kampfsports" und des "Budo" betrachten:

Beim Budo-Sport hat die Dojo-Etikette die Funktion von Organisationsprinzipien, um die Konzentration zu fördern und um über Respekt vor dem Partner/Gegner Aggressionen zu dämpfen oder zu lenken. Dazu gehören das An- und Abgrüßen und die Verbeugungen. Zu beginn des Trainings nehmen alle Schüler in einer Reihe, nach Gürtelgraden geordnet , Aufstellung. Der in der Reihe ganz rechts stehende, ranghöchste Schüler sagt die Begrüßungsformeln. Diese sind nicht in allen Budo-Stilrichtungen und Dojos identisch. Of z.B. knien alle auf <Seiza> gemeinsam ab, auf <Sensei ni Rei> verbeugen sie sich nach vorn und auf <Otagai ni Rei> noch einmal. Auf <Kirizu> stehen nun alle gemeinsam auf und verbeugen sich noch einmal im Stand. Das Abknien und Verbeugen auf <Rei> ist überall üblich. <Rei> bedeutet die Bereitschaft zu Disziplin, Zurückhaltung und Respekt; <Sensei ni Rei> ist eine Respektbezeugung für den Lehrer, und <Otagai ni Rei> bedeutet für den Budoka untereinander, dass sie sich verpflichten, sich zu bemühen, gemeinsam zu lernen und sich nicht gegenseitig zu behindern.

Wenn jemand zu spät zum Training kommt, setzt er sich im Dojo neben der Eingangstür auf den Boden, verbeugt sich zweimal kniend und wartet auf das Zeichen des Trainers, der ihm bedeutet, dass er mitmachen darf.

Das Abgrüßen erfolgt genauso wie das Angrüßen, doch wird meistens in Seiza-Phase länger verharrt, und sich auf ein Zeichen (Makuso) schließen alle die Augen und versuchen sich zu entspannen und das Gelernte im Geiste noch einmal an sich verbeiziehen zu lassen.

Diese meditativen Einflüsse werden für den Budoka erst mit zunehmenden Interesse an den Hintergründen des Budo wichtig. Für viele Sportler sind es lediglich äußere Formen, die den Trainingsablauf regeln.

Bei jedem Betreten oder Verlassen des Dojos verbeugt man sich am Eingang in Richtung auf das Dojo-Innere. Ebenso verbeugt man sich am Beginn und am Ende einer jeden Übungsreihe vor seinem Partner. Diese Geste soll faires Verhalten beim Kämpfen bewirken und den Budoka das Gefühl vermitteln, dass sie für sich und den Partner verantwortlich sind. Wer sportliches Budo betreibt, braucht sich diesen östlichen Gedankengängen nicht anzuschließen. Er kann auch ohne vorherige Verbeugung kämpfen. Auf sportlichen Wettkämpfen verbeugen sich die Kämpfer nur aus Tradition.

Beim Budo steht die charakterliche Entwicklung des Budoka im Vordergrund. So gilt das Dojo hier als ein Ort, an dem das Prinzip des Dokyo (Den Weg finden, menschlich gut zu werden) verwirklich werden soll.

Durch das Begrüßungszeremoniell soll eine bestimmte innere Einstellung zum Training hergestellt werden. Störende Gedanken, Unkonzentriertheit, Unbeherrschtheit, Egoismus usw. sollen vom Dojo ferngehalten werden. Gestärkt werden sollen Konzentration, Selbstbeherrschung und Gemeinschaftsgefühl. Oft hört man im Dojo das Wort <Ossu>. <Ossu> wird fast wie ein Gruß oder wie eine Art Zustimmung benutzt. Es bedeutet sinngemäß: "eine Unbequemlichkeit auf sich zu nehmen, etwas erfragen, durchhalten". Man nimmt sich selbst etwas weniger wichtig, um mit Würde das Geforderte zu leisten. Ebenso hört man häufig die Übenden nach einer Übungstunde zueinander sagen: "(Domo Arigatoo gozaimashita!" (Vielen Dank für deine Mühe). Für den der sich mit solchen Inhalten identifiziert und für den dies nicht nur eine spezifische Verhaltensform darstellt, ist Budo mehr als Sport. Vor diesem Hintergrund ist im Budo der Gewinner nicht auch unbedingt der Sieger.

 

Im Budo ist es nicht gestattet, dass ein Schüler vor Ablauf der Trainingsstunde ohne besonderen Grund sein Training abbricht. Wer z.B. konditionelle Probleme hat, setzt sich unauffällig und ohne die anderen zu stören an die Seite. Wenn die Dojo-Etikette streng praktiziert wird, muss dabei die Seiza-Position eingenommen werden (auf Knien sitzend), um so über die Ursache des "Versagens" und die Möglichkeiten seiner Überwindung nachzudenken. Die Anweisungen und Hinweise des Meisters sind in jedem Fall zu akzeptieren; man nickt zustimmend, selbst wenn der Meister irren sollte. Auch in dieser Regel wird das Prinzip deutlich, sich selbst nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern Demut zu üben. Dies setzt ein Lehrer-Schüler-Verhältnis voraus, bei dem der Lehrer die Verpflichtung fühlt, sich unermüdlich und mit großer Geduld um seine Schüler zu bemühen, und der Schüler sich dieser Zuwendung durch fleißiges, konzentriertes Üben würdig zu erweisen versucht. Ein Aufgeben während des Trainings wegen konditioneller Schwächen ist daher nicht nur subjektiv beschämend für den Budoka selbst, sondern er hat auch objektiv die in ihn gesetzten Erwartungen nicht erfüllt. Jeder Budoka muss selbst entscheiden, wie weit er solche Denkweise akzeptieren kann.

 

Im Budo geht der Stärkere die Verpflichtung ein, dem Schwächeren zu einem Lernfortschritt zu verhelfen. Budo ist Kampfsport, das Ziel ist, den anderen zu besiegen. Häufig erübrigt sich allerdings das Kämpfen, weil über die Kenntnis der eigenen Grenzen der Kampf schon im voraus entschieden ist. Seine Stärke zu zeigen kann somit das Nichtangriffsprinzip verwirklichen helfen.

 

In allen Budosportarten nimmt die Dojoettikette eine zentrale Stellung ein. Jeder Übende ordnet sich dieser Leitline unter um in seinem Üben zu einem besseren Verständniss zu kommen.